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Information Rules
WS 00/01
Gruppe 20
Anne Lämmer
Kerstin Pflüger
Bianca Uhe
Mandeep Singh

Open Source: Geschichte und Grundlagen

1 Geschichte

Zeittafel
Die Geschichte von Open Source Software lässt sich nicht nur auf die Entwicklung und das Medienecho um Linux herum herunterbrechen. Software, die heute mit Open Source bezeichnet werden würde, hat eine lange Tradition, die ihre Ursprünge Mitte der 1960er Jahre hat. Im Grunde genommen begann alles mit UNIX.

Einen kompletten Geschichtsverlauf darzustellen, würde darin ausarten sämtliche einzelne Software-Projekte mit ihrer zeitlichen Entwicklung anzugeben. Dieses würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, so dass wir mit der Darstellungsweise als Zeittafel die wichtigsten Meilensteine versuchen abzudecken. Diese haben ihre Daseinsberechtigung darin, dass wir mit diesen Software-Entwicklungen nicht da wären wo wir heute sind: In einer kontroversen Diskussion über frei gegen unfrei, kostenlos gegen teuer, Weltanschauungen gegen Gewinnmaximierung.

Also, wo kommt diesen Open Source eigentlich her?

Jahr Was?
1969 Ken Thompson und Dennis Ritchie entwickeln die erste Version von UNIX in den AT&T Bell Telephone Laboratories.
Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung im Telekommunikationssektor war AT&T gehindert, die Entwicklung von UNIX kommerziell zu verwerten. Deswegen wurde UNIX als Lizenz u.a. gegen einen geringen Betrag an Universitäten abgegeben. Es gab seitens AT&T keinen Support, keine Bugfixes und die Lieferung erfolgte nur gegen Vorkasse.
Unter diesen Umständen entwickelte sich im universitären Umfeld eine rege Entwicklungstätigkeit. Das damals schon in Gebrauch befindliche Usenet, heutzutage auch als 'News' bezeichnet, wurde als Support-Netzwerk benutzt. Als Koordinationsstelle fungierte die University of Berkley, Kalifornien, die UNIX selber weiterentwickelte - Berkley Software Distribution (BSD) - und an andere Universitäten vertrieb.
1984 Nachdem AT&T im Softwaregeschäft tätig sein durfte (aufgrund der Entwicklungen/Rechtssprechungen im amerikanischen Telekommunikationsmarkt), wurden die UNIX-Lizenzen durch höhere Preise und durch Geheimhalten des Quellcodes seitens AT&T wieder unter Verschluss gebracht.
Die bisherigen Entwickler konnten nicht mehr in freien Softwareprojekten arbeiten.

Daraufhin gründet Richard Stallman das GNU-Projekt mit dem Ziel ein UNIX-ähnliches Betriebsystem zu schaffen, das auschliesslich aus freien Softwarequellen bestehen sollte.
'GNU ist not UNIX.'

Die Akzeptanz freier Software beschränkte sich über Jahre fast ausschliesslich auf den privaten und universitäten Bereich.

1990 Die ersten Internet-Service-Provider ermöglichen den privaten Zugang zum Internet. Dadurch konnten sich auch DV-Spezialisten ausserhalb der Universitäten an freien Softwareprojekten beteiligen.
1991 Linus Torvald experimentiert mit dem Betriebssystem Minix von Andrew Tanenbaum. Minix wird die Basis der Ideen zu Linux. Linus ruft zu weiteren Codebeiträgen auf, die er wiederum verteilen würde. Der Linux-Code hat Minix bald vollständig ersetzt.
Weitere freie Computerprogramme wie Apache, Samba, Bind und Python entstehen auf diese Weise.
Januar 1998 Netscape veröffentlicht, dass der Sourcecode für den Navigator freigegeben wird.
Resultat ist ein grosses Medienecho. Open Source wird weltweit in den Medien wahrgenommen.
Februar 1998 Der Begriff "Open Source" wird geprägt und als Markenzeichen eingetragen.
Mai 1998 Sun Microsystems und Adaptec treten Linux International bei.
Corel kündigt an, dass Wordperfect nach Linux portiert wird.
Juni 1998 IBM kündigt an, dass der Apache Web Server zukünftig vertrieben und unterstützt wird.
Juli 1998 Oracle und Informix wollen zukünftig ihre Datenbanken nach Linux portieren.
November 1998 Die Halloween-Dokumente werden veröffentlicht. In geheimen Dokumenten von Microsoft werden die Vorteile der Open Source Programme herausgestellt und als zukünftige Konkurrenz zu den Microsoft-Programmen dargestellt. Sie dokumentieren Microsofts Plan mit schmutzigen Tricks gegen Linux und andere Open Source Projekte vorzugehen.

Der Linux Markt hat sich 1998 um 212% erhöht.

Weitere kommerzielle namhafte Firmen starten Open Source-Projekte (Apple`s Darwin) oder portieren ihre Software nach Linux (HP, SGI, Sun, IBM, Lotus) oder unterstützen andere Open Source-Projekte.

[6] [7] [11] [30]

Philosophie
"Die Idee von 'freier Software' entwickelte sich aus dem Bedürfnis vieler Programmierer, vorhandene Software nach den eigenen Anforderungen weiterentwickeln zu können. Dazu fehlte aber der kommerziellen Software technisch der Quellcode, der zur Änderung und Weiterentwicklung von bestehender Software erforderlich ist, und rechtlich die Erlaubnis der Rechtsinhaber, die gekaufte Software zu verändern." [3]

Das Privileg des geistiges Eigentums bekommt der Programmierer als Entlohung für seine Arbeit. Dieses Privileg soll durch Open Source aufgebrochen werden, um so den freien Austausch von Informationen zum Wohle der Gemeinschaft zu gewährleisten. Es wird davon ausgegangen, dass Programmierer auch ohne einen materiellen Anreiz, allein für den Ruhm der mit dem Kodieren eines Programms verbunden ist, arbeiten. Sie sehen es ausserdem als kreative geistige Weiterentwicklung in Bezug auf ihre Programmiertätigkeit.

Aus der Urheberschaft an Software soll kein Vorteil gezogen werden, da die Programmierer die Möglichkeit sehen, durch gelungene Problemlösungen bekannt zu werden.

Woher kommt der Begriff 'open'?
Wenn man früher von Open Source Software redete, meinte man 'freie' Software, im Englischen 'free'.

Der Begriff 'free' hatte sich aber als missverständlich herausgestellt. 'Free' bedeutet im Englischen sowohl frei als auch kostenlos, dieses führt zu dem weitverbreiteten Missverständnis, kostenlos sei das wichtigste Chararkteristikum freier Software.

Wer hat den Begriff festgelegt?
Im Februar 1998 wurde in einer Brainstorming Session der Begriff 'Open Source' geprägt. Nur zwei Monate später im April wurde das erste internationale Open Source-Gipfeltreffen in Palo Alto, Kalifornien veranstaltet. Dort diskutierten Entwickler freier Software über die Zukunft offener Entwickungsmodelle. Die Teilnehmer, zu denen u.a. auch Linus Torvalds (Linux) und Larry Wall (Perl) gehörten, beschlossen, den Begriff 'Open Source' an Stelle von freier Software zu fördern.

Die Definition für 'Open Source', war nicht als Marketingstrategie gedacht. Es war der Versuch, einen Begriff zu etablieren. Dieser sollte die Entwickler und Verfechter freier Software der Notwendigkeit enthebt, ständig sowohl zwischen kostenloser und freier Software als auch zwischen den verschiedenen Lizenzen freier Software differenzieren zu müssen. (Vor zwei Jahren schien alles noch verwirrender zu sein :-)

Das grösste Gewicht liegt bei Open Source auf dem Recht, den Quellcode nicht nur zu lesen, sondern auch zu verändern, und diese Veränderungen zusammen mit dem originalen oder dem veränderten Quellcode wiederum Dritten zugänglich machen zu dürfen.

"Damit sich eine Software 'Open Source' nennen darf, muss die Lizenz, unter der sie veröffentlicht wird, alle Forderungen der Open Source Definition erfüllen." [7]
Die offizielle Definition
Aus dem Englischen übersetzt lautet sie wie folgt:
  1. Freie Weiterverbreitung
    • Eine OS-Lizenz darf keine Lizenzgebühren oder andersartige Beiträge verlangen.

  2. Quellcode muss enthalten sein
    • Das Programm muss Quellcode beinhalten und sowohl die Verbreitung als Quellcode als auch in kompilierter Form gestatten.
    • Absichtlich verwirrender Quellcode ist nicht erlaubt.

  3. Veränderung und Verbereitung des Programms und der auf dem Programm basierende Werke unter den gleichen Lizenzbedingungen muss gestattet sein.

  4. Unversehrtheit des Originalcodes
    • Die Lizenz muss ausdrücklich die Verbreitung von Software erlauben, die mit verändertem Quellcode erstellt wurde.

  5. Keine Diskriminierung von einzelnen Personen oder Gruppen. Um das Maximum herauszuholen, müssen möglichst viele verschiedene Personen das Recht haben, zu Open-Source-Software beizutragen.

  6. Keine Einschränkungen für bestimmte Anwendungsbereiche
    • darf beispielsweise nicht die kommerzielle Nutzung oder die Benutzung in der Genforschung verbieten

  7. Die zum Programm gehörigen Rechte müssen für jeden gelten, ohne daß eine weitere Lizenz beachtet werden muß.
    • soll verhindern, dass durch indirekte Mittel, wie das Verlangen eines Einverständnisses für die Weitergabe, die Software nicht wirklich frei ist

  8. Lizenz darf nicht für ein bestimmtes Produkt gelten

  9. Lizenz darf andere Software nicht beeinträchtigen
[6] [7]



2 Grundlagen

Welche Software darf sich Open Source nennen?
Freibier vs. Softwarequalität
Da im Englischen kein eigenes Wort für kostenlos zur Verfügung steht, führt zu dem Missverständnis, dass umsonst das wichtigste Kriterium für freie Software ist.
Aber mit free ist nicht nur "die Freiheit von Kosten im Sinne von gratis" gemeint, sondern auch die "Freiheit im Sinne der Freiheit des Geistes und der Wissenschaft". [7]

Richard Stallmann: "Frei wie in freier Rede und nicht wie in Freibier!"

"Open Source bedeutet nicht nur die Offenlegung von Quelltexten in der Software-Industrie, sondern auch eine durch das Internet geprägte und beschleunigte Entwicklung, die den Begriff des 'geistigen Eigentums' im Sinne einer exklusiven Nutzung von Ideen generell in Frage stellt." [15]
Richard Stallman wehrt sich gegen eine rein technische Betrachtung von Open Source. Seiner Meinung nach geht es nicht nur darum, in den Quellcode gucken zu dürfen, sondern auch dass der Anwender die Freiheit hat mit einem Programm machen zu dürfen was er will.

Die Fürsprecher freier Software sehen in offenen Quellen eine Garantie für Softwarequalität.

Kostenlose Software ist eher nicht frei, wenn es verboten ist, sie weiterzugeben und der Quellcode nicht offengelegt ist.

Freeware
In den 1980er Jahren kam irgendwer auf die Idee, seine Software anderen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Freeware war geboren.
"Die amerikanischen Ursprünge der Freeware liegen im `Verzicht' [..] auf das individuelle Copyright."

"Es bürgerte sich in den USA dafür der Begriff Free Software, Freely Distributable Software oder Freeware ein." [5]

"Für [Richard Stallman] ist es Ausdruck eines Menschenrechts, Software frei zu nutzen, verändern und verarbeiten zu können und dies auch im gemeinschaftlichen Miteinander einer weltweiten Entwicklergemeinde zu praktizieren." [10]
Shareware
Andere verteilten ihre Programme kostenlos und baten darum, dem Autor eine geringe Gebühr zu überweisen, falls man mit dem Programm zufrieden war. Die Shareware war geboren.

Der Begriff Shareware bezieht sich nicht auf einen Form der Software-Entwicklung, es handelt sich dabei lediglich um eine bestimmte Vertriebsart.

Dieser Vertrieb funktioniert so, dass die Anwender sich an den Entwicklungskosten über die Registrierungs- bzw. Lizenzgebühren beteiligen.

"Shareware is a distribution method, not a type of software. You should find software that suits your needs and pocketbook, whether it's commercial or Shareware. The Shareware system makes fitting your needs easier, because you can try before you buy. And because the overhead is low, prices are low also. Shareware has the ultimate money-back guarantee - if you don't use the product, you don't pay for it." [5]
"In meinen Augen vereint Shareware die schlimmsten Nachteile von kommerzieller Software (keine Quellcodes) mit dem Schlechtesten der freien Software (es fehlt der letzte Schliff)."
Linus Torvalds in [7]
Public Domain
Eine andere Art freier Software hat ihre Ursprünge an den Universitäten in den USA. Die Universitäten entwickelten, auf vom Staat finanzierten Computern, Software.
"An diese Finanzierung geknüpft war die Bedingung, die so entstandenen Programme der Allgemeinheit unentgeltlich (Sie waren ja bereits vom Staat aus Steuermitteln bezahlt worden!) zur Verfügung zu stellen, als Public Domain-Software (Public Domain auf deutsch: Allgemeingut oder auch `gemeinfreie Werke'). Eine andere Quelle aus der die Public Domain gespeist wurde, waren Programme, deren Urheberrechte verfallen waren." [5]
Public Domain "bedeutet im wesentlichen, dass der Autor auf jeglichen Einfluss auf sein Werk verzichtet. Der im Deutschen am ehesten vergleichbare Begriff ist der der Gemeinfreiheit, sie bedeutet, dass jeder alles damit machen kann." [7]
Unterschiede
Public Domain Software und Freeware unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von Open Source Software.
Es ist zwar bei allen diesen Formen die freie Nutzung und Bearbeitung gestattet, aber nur die letztere verpflichtet den Bearbeiter, seine bearbeitete Version zur vergütungsfreien Nutzung durch Dritte freizugeben.

Bei der Open Source Software handelt es sich deswegen um eine eigenständige und neue Gestaltung der Softwareüberlassung.

Zusammenfassung

3 Entwicklungs- und Geschäftsmodelle

'Viele Köche verderben den Brei' oder vielleicht doch nicht?
Das zentrale Entwicklungsmodell für die Open Source-'Gemeinde' wurde vom Open Source-'Evangelisten' Eric Raymond in seinem Aufsatz "The Cathedral and the Bazaar" beschrieben. Es beruht darauf, die Nutzer eines Programmes zu Mitentwicklern zu machen, indem die von ihnen vorgeschlagenen Änderungen und Korrekturen in das Pogramm wiederum integriert werden. Das neue an diesem Ansatz ist, dass die Nutzer die Korrekturen selbst am Programm durchführen und testen können, bevor sie sie an den Entwickler zurückschicken.

Die althergebrachte Methode ist, die Fehlerbeschreibung der Nutzer nachzuvollziehen, den Fehler zu suchen und die Korrektur wiederum vom Nutzer testen zu lassen.

Software-Entwicklung nach dem Basarprinzip:

Klassische kommerzielle Software-Entwicklung, dem Bau einer Kathedrale nachempfunden: Das der als erstes beschriebene Fall den Entwicklungsprozess beschleunigt ist klar, führt dieses Vorgehen doch zu einer schnelleren Fehlerbehebung und damit zu besseren und stabileren Programmen. Vorrausgesetzt, der Nutzer hat Zugang zum Sourcecode des Programms, es ist erlaubt diesen zu ändern und er hat die Fähigkeiten dies auch zu tun.

Eric Raymond formuliert in seinen Ausführungen ausserdem die Vorteile einer Software, deren Quellcode öffentlich zugänglich ist und in Kooperation von vielen freiwilligen Mitarbeitern weiter verbessert wird (= the Bazaar). Raymond versuchte damit die Hackerkultur durch den neuen Begriff auch kommerziell attraktiver zu machen und von ihrem manchmal schlechten Ruf zu befreien. Viele, insbesondere die Medien, benutzen die Bezeichnung 'Hacker' in einem negativen Zusammenhang ('Hacker' vs. 'Cracker').

Durch die Freigabe von Quellcode können, wie es ja schon bei vielen Open Source Programmen praktiziert wird, sehr viele Entwickler an einem Projekt arbeiten. Die Programmierer sind auf der ganzen Welt verstreut und durch diese dezentralisierte Kooperation kann beim Entwicklungsaufwand Brooks Gesetz umgangen werden.

Brooks Gesetz besagt, dass große Projekte kleine Gruppen erfordern (1995).
Bei einer Zunahme der Programmierer um n steigt die geleistete Arbeit ebenfalls um n. Die Komplexität und damit die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt jedoch um n².
n² entspricht dem kommunikativen Aufwand aufgrund der möglichen Anzahl der Schnittstellen zwischen den verschiedenen Programm-Modulen. Ein Projekt mit tausend und mehr Beteiligten sollte danach nur mit geringer Wahrscheinlichkeit ein stabiles Produkt zustande bringen.

Algorithmen und Implementationen können durch den dezentralen 'Basar-Ansatz' gründlicher geprüft werden und somit die Sicherheit erhöhen. Der Fachausdruck für das Prüfen von Software durch andere Entwickler, nennt man "Peer Review". Die Funktionalität einer Software wird erhöht ('4 Augen sehen mehr als 2'), bei gleichzeitiger Senkung der Kosten.

Vorteile der Software-Entwicklung nach dem Basar-Prinzip:

Warum sollte man etwas nochmal programmieren, was schon jemand anderes gelöst hat?
Wer hackt und warum?
"Die Open Source Community ist eine Gemeinschaft von Leuten, die genau ein gemeinsames Interesse haben: Open-Source-Software. Nur das verbindet die Leute in der Community, deren Spektrum von Kids über Hacker bis hin zu Managern reicht. Es gibt da Leute, die den Marktführer hassen, einfach weil er Marktfüherer ist - also hassen sie Microsoft und mögen Linux, weil es nicht von Microsoft ist." [13]
Bei der Entwicklung von Open-Source-Software sehen sich die Distributoren, wie SuSE, Red Hat, Debian usw. als Vermittler zwischen den Firmen, die hauptsächlich proprietäre Software herstellen, und den Open Source Entwicklern.

Distributor:
Kommerziell arbeitende Firma, die Linux und andere OS-Software auf Datenträgern verkauft und dazu Handbücher und einen Kundenservice anbietet (Verteilung und Vermarktung von OS-Produkten).
Wir schlagen "die Brücke zwischen den Entwicklern der Open Source Community und den Anwendern in den Unternehmen. Der Grossteil der Open-Source-Software wird von professionellen Entwicklern geschrieben, die in den grossen Firmen arbeiten und die Werkzeuge selbst brauchen. Sie programmieren Lösungen für ihre Probleme, haben aber kein Interesse daran, den Quelltext zu verstecken. Also veröffentlichen sie ihre Programme als Open Source und erhalten dadurch Hilfe von vielen anderen Entwicklern." [13]
"Die besten Hacks beginnen als Lösungen für die persönlichen und alltäglichen technischen Probleme des Autors und verbreiten sich, weil sich das Problem als typisch für eine umfangreiche Klasse von Benutzern herausstellt." [8]
Aus den 'alltäglichen' technischen Problemen entstanden z.B. Linux und Perl.
"Die einzigen potentiellen Kunden [waren dann] zunächst die 'Early Adopter', die technikverliebt genug sind, sich nicht von ein paar Unannehmlickeiten vom Einsatz des neuesten Systems abhalten zu lassen." [13]
Es stellt sich die Frage: Warum tun die das bloss? Es wird vermutet, dass die meisten mit ihren Aktivitäten Anerkennung suchen ('reputation game').
"Die Entwickler packt es nicht am Geldbeutel, sondern an der Ehre..." [17]
Der Verleger Tim O'Reilly hat das Entwicklungsmodell von Open Source-Software mit wissenschaftlicher Arbeit verglichen.
Wissenschaft funktioniert vor allem deshalb, weil sich das erworbene Wissen dadurch vermehrt, dass ein reger Austausch untereinander und eine gegenseitige Kontrolle stattfindet. Dasselbe gilt für Open Source. Die Entwickler arbeiten zusammen, korrigieren Bugs und bringen neue Ideen ein. Das führt zwangsläufig zu der These, dass man Software nicht als Wirtschaftsgut ansieht, sondern als gesellschaftliches Allgemeingut. Ihr Verkauf mag einzelnen nützen, der Gesamtheit jedoch schadet er." [17]
Generischer formuliert läßt sich die Motivation, freie Software zu entwickeln, in drei Kernaussagen zusammenfassen:
  1. Wissenschaftlicher Grad und Qualifikation für den späteren Beruf.

    Ein nicht unerheblicher Teil freier Software hat seine Wurzeln im universitären Milieu. Andere Anwendungen werden geschrieben, weil sich der Autor in ein bestimmtes Thema der Programmierung einarbeiten möchte oder muß.

  2. Das eigene Interesse, die Software anzuwenden.

    In Ermangelung entsprechender existierender Programme schreibt man sich seine Wunschsoftware einfach selbst. Dies ist die Motivation, von der Anwender am meisten profitieren.

  3. Technische Neugier

    Als Programmierer fragt man sich manchmal wie genau funktioniert etwas und was braucht es, so etwas zu schreiben? Dies ist bei weitem die häufigste Motivation und einer der Gründe, warum freie Software manchmal bis zur Grenze des technisch Machbaren geht. Da Menschen oft gar nicht so verschieden sind, geschieht es immer wieder, dass sich unterschiedliche Leute dieselben Fragen stellen, was man daran ablesen kann, dass es in bestimmten Bereichen wie z.B. dem IRC Unmengen verschieder Clients gibt.

[37]
Warum verhungern OS-Entwickler nicht?
Richard Stallmann: "Ich lebe billig. Ich habe keine Häuser, keine Autos, keine Boote, keine Flugzeuge und keine Kinder."

Die meisten Entwickler werden entweder von Unternehmen im Open Software Bereich bezahlt oder möchten nach einer 60-Stunden-Woche noch 20 bis 30 Stunden an etwas arbeiten, was ihnen Spass macht. Sie verstehen Open Source als einen 'Way of life'.

Wie sind die Projekte organisiert?
Die meisten Open-Source-Projekte haben eine modulare Architektur. Diese erlaubt den Nutzern die Funktionalität des Systems zu erweitern, ohne schon existierende Kernfunktionen ändern zu müssen.
"Dies erlaubt einem Open Source Projekt mit seiner Gemeinschaft zu wachsen, während ein ursprünglicher visionärer Entwickler (oder ein Team) die Kontrolle über das Kernprojekt behalten kann." [21]
BSP: Linux Kernel und Linus Torvalds.
Eine Studie beleuchtete den Code von mehreren Open-Source Projekten. Dabei kam heraus, dass 10% der Autoren sich für 72,3% des Codes verantwortlich zeigten. Das bedeutet, das sich die Entwicklung von freier Software zwar auf viele Köpfe verteilt, diese aber nicht von Hierarchien und Strukturen frei ist.

Die Open Source-Projekte werden von Freiwilligen auf der ganzen Welt betrieben. Im Linux-Bereich ist der gesamte Quellcode eines Projektes im Internet und auf den CDs der Distributoren frei verfügbar.

"Die gesamte Entwicklung und Verwaltung findet über das Internet mit Werkzeugen wie Mailing-Listen, verteilten Versionskontrollsystemen und diversen frei verfügbaren Programmen zur Konfigurationsverwaltung statt." [1]
Das bedeutet, dass jeder qualifizierte Entwickler an der Programm-Entwicklung teilnehmen kann, solange er über einen Internet-Zugang verfügt. Es sind explizit weltweite alle Entwickler eingeladen und aufgefordert, nicht nur neue Programme, Werkzeuge und Applikationen zu schreiben, sondern auch bereits existierende Programme ständig zu verbessern. Zu einem Projekt gehören neben den Entwicklern natürlich auch Übersetzer (für die verschiedenen Sprachen) und Dokumentationsautoren. Mitglieder eines Projektes arbeiten alle in ihrer Freizeit. Deswegen ist die Motiviation besonders wichtig.
"Der wichtigste Motivationsfaktor ist natürlich der gemeinsame Erfolg, aber die Mitglieder des Kern-Teams müssen auch sicher stellen, dass die Arbeit jedes einzelnen entsprechend gewürdigt wird, und dass die Leute, deren Kenntnisse und Qualifikationen gut zusammenpassen, zueinander gebracht werden, damit sie am gleichen Teilbereich des Projektes arbeiten können." [1]
Aber in erster Linie sucht sich ein Projektteilnehmer seinen Wirkungskreis selber aus.

Erfolgreiche Open-Source-Projekte haben unterschiedliche Rahmenbedingungen. Die Apache Group, die eine informelle Gruppe von Personen darstellt, die den freien Webserver weiterentwickeln, hat z.B. eine Stiftung als 'offiziellen' Ansprechpartner für Projektbeiträge, Spenden oder auch rechtliche Fragen gegründet.

Ein formal unorganisiertes Projekt ist z.B. Gimp.

Die Entwickler von KDE haben in Deutschland einen Verein, den KDE e.V., gegründet.


Closed Source vs. Open Source
Ein konventionelles Geschäftsmodell ist die Verbreitung der Software über Closed Software, d.h. die Software wird in Form von ausführbaren Programmen verteilt.
Folgende Einschränkungen bestehen für Closed Software: Dem Gegenüber steht das Open Source Modell. Es zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:
Zuverlässigkeit:
"Firmen, die mit Open Source-Software ihr Geld verdienen, befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen traditionellen Geschäftskonzepten, offenen Lizenzen und finanziellen Erfordernissen." [15]
Wirtschaftlicher Wert von Computerprogrammen
Zwei Arten des wirtschaftlichen Wertes stehen sich gegenüber:
  1. Der Warenwert ist der Wert von Software als handelbare Ware.

    Der Warenwert von Software ist proportional zu den Entwicklungskosten und zu seinem Gebrauchswert.

    Die Anpassung von Software an heterogene Umgebungen nennt man Wartung. Wartung verursacht den grössten Anteil (über 75%) an Kosten. Die Wartung von Programmcode hat keinen Warenwert.

    Preiskalkulation von Software:
    Der Warenwert impliziert einen hohen Preis beim Kauf von Software und einen geringen oder gar keinen für Betreuung und Upgrades. Obwohl Kosten für Wartung hoch sind, gibt es keine Entsprechung in der Preispolitik der Hersteller. Dadurch wird Support nicht als Pofit-Center angesehen und das Anbieten eines kompetenten Service verhindert.
    Das lässt sich gut am Beispiele von Closed Source, auch Fabrikmodell genannt, zeigen:

    Im Fabrikmodell wird die Arbeitszeit der Entwickler durch den Warenwert amortisiert. Die Softwareindustrie operiert nach dem Fabrikmodell in der Annahme eine Güterindustrie zu sein. Dies entspricht aber nicht dem Aufwand und den Kosten der Wartung. Daraus folgt, dass die Softwareindustrie eigentlich eine Dienstleistungsindustrie ist. Das Fabrikmodell führt zur Monopolisierung. Mit einem einmalig bezahlten Preis für den Warenwert einer Software kann kein unbegrenzter Support bezahlt werden. Deswegen werden oft blosse Ausbesserungen in der Software als neues Produkt mit einem neuen Preis verkauft.
    Was wird durch Closed Source geschützt?

    • Schutz des Warenwertes der Software.
    • Schutz des Wettbewerbsvorteils.

  2. Der Gebrauchswert ist der Wert von Software als Werkzeug.

    Die Bedeutung des Gebrauchswertes:
    Ist für ein Softwareprodukt in Zukunft kein Service mehr zu erwarten, kann es nicht mehr verkauft werden. Service bedeutet Erweiterung, Upgrades und Folgeprodukte.

    Bei Open Source Software sieht das so aus:
    Viel Programmcode wird für den Eigenbedarf geschrieben und nicht für den Weiterverkauf. Gratissoftware führt zu einer Zunahme der Investitionen in die Infrastrukturen. Das Resultat ist eine Vergebührung von Dienstleistungen für die Der Entwickler vonGratissoftware. Open Source-Projekte finanzieren sich durch den Gebrauchswert. Die damit verbundenen Dienstleistungen sind zwar nicht so lukrativ wie die Herstellung von Gütern, aber dies wird durch die geringeren Entwicklungskosten wettgemacht.

    Open Source bietet keinen Schutz des Wettbewerbverbotes, es entsteht die Problematik des Trittbrettfahrers. Trittbrettfahrer leisten wegen fehlender finanziellen Anreize keine Beiträge zum Entwicklungsanteil eines Open Source Projektes. Trotzdem ist der Gewinn aus der Aufteilung des Entwicklungsaufwandes höher, als die erhöhte Konkurrenz durch Trittbrettfahrer.

Wie kann mit Open Source Software Geld verdient werden?
  1. Bsp.: Apache Server Modell

    Wenn ich einen leistungsfähigen Server brauche, dann habe ich verschiedene Möglichkeiten, mir diesen zu beschaffen. Ich könnte mir von einer Firma einen kaufen, aber dieser ist dann nicht genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und kaum anpassungsfähig.
    Ich kann mir auch einen Server selbst entwickeln, aber der Programmierer, den ich dafür brauche, ist sehr teuer und wenn dieser dann die Firma verlässt, gibt es kaum eine Möglichkeit diesen Server einen anderen Programmierer anzuvertrauen.
    Oder ich trete der Apachegruppe bei. Diese Gruppe entwickelt Server und stellt alle Sourcecodes in einen Pool. Jeder der dieser Gruppe angehört, kann die Codes nutzen und weiterentwickeln. Das spart Zeit, Geld und Risiko.
    Dieser Fall zeigt, dass man nicht immer direkt Geld verdienen kann, aber durch Einsparungen an Entwicklungskosten und bessere Erzeugnisse den Gewinn vergrössern kann.

  2. Bsp.: Netscape (verschenke Clientsoftware, um die dazugehörige Serversoftware zu verkaufen)

    Netscape verschenkt Clients (teilweise) und verkauft Webserver.

    Durch die Verbreitung ihrer Clients, die bestimmte Features wie Secure-Transmission-Protokolle besitzen, haben die Netscape-Webserver, die diese Eigenschaften ausnutzen, einen gewichtigen Mehrwert gegenüber den konkurrierenden Servern (Netscape 1997). Sun macht es in gewisser Hinsicht andersherum: Die Entwicklungsumgebung für Java ist frei, aber Hersteller von Clients, die einen Java-Compiler einbauen wollen, müssen zahlen (Sun 1997).

  3. Bsp.: Benutze die Open Source Anreize für Werbung.

    Stelle die Programme zum kostenlosen Download zur Verfügung und schliesse Werbeverträge ab.

  4. Bsp.: Beteilige andere an der Entwicklung.

    Hardwarehersteller müssen zu ihren Produkten auch immer entsprechende Treiber, Firmware oder Konfigurationssoftware vertreiben, die so keinen Gewinn bringen. Deshalb geben sie die Quellcodes mit dazu, damit sich der Pool von Entwicklern vergrössert und viel schneller auf veränderte Situationen reagiert werden kann. So kommt, durch optimale Anpassung an die Bedürfnisse der Kunden und dadurch zufriedene Stammkunden, Geld in die Kasse.

  5. Bsp.: Verschenke das erste Gut, verkaufe das zweite.

    Wenn es dann verbreitet ist und sich die Leute daran gewöhnt haben, verkaufe das Update.

    In der Drogenszene wird diese Strategie auch als "Anfixen" bezeichnet. Die Nutzer haben sich bald an ein Programm gewöhnt und haben es mit dem Rest ihrer Software zu einem stabilen System konfiguriert. Wenn das Update sinnvolle Features enthält und nicht zu teuer ist, werden sie versuchen, beim selben Programm, dem sie eine verläßliche Problemlösung zutrauen, zu bleiben. Die bereits erwähnte Windows-Socket-Emulation "Trumpet Winsock" ist ein Beispiel für diese Strategie. Version 1 war frei. Version 2 kostet etwas. Alternativ dazu kann man natürlich auch das erste Produkt in einem bereits reduzierten Funktionsumfang oder mit limitierter Benutzungsdauer verschenken und eine Vollversion davon nur gegen Bezahlung zugänglich machen.

    Bei den Entwicklern von Sendmail ist eine Ähnliche Tendenz zu spüren. 'Sendmail', der meistverbreitesten Software für den Email-Transport, bietet jetzt auch eine kommerzielle Version an, die über eine Web-basierte Benutzeschnittstelle leichter zu konfigurieren sein soll. Zusätzlich will Eric Allmann Support anbieten.

  6. Bsp.: Red Hat Support-Modell ("Koch-Rezepte verschenken und ein Restaurant eröffnen")

    Red Hat verkauft nicht die Software, sondern eine Garantie, dass es sich um ein serienreifes Produkt handelt und alle Produkte vom selben Hersteller kompatibel sind. Dazu gibt es ein kostenlosen Installationssupport per E-Mail. Jede darüber hinausgehende Supportleistung muss bezahlt werden. Der entsprechende Preisrechner befindet sich hier. Auch gibt ein diverses Angebot von Schulungen, die alle Geld kosten.

  7. Bsp.: O'Reilly (Accessorizing)

    Ein weiteres übliches Modell ist der Verkauf von Zusatzsoftware oder auch Accessories. Das Hauptprodukt verschenke ich und die zusätzlichen Produkte, angefangen von Tassen bis hin zu Dokumentationen, verkaufe ich.
    Damit spare ich unter Umständen auch schon das Geld für Werbung oder, da ich durch den Verkauf von Zubehör (ob direkt oder indirekt) schon die Werbung inbegriffen habe. So bin ich mit meinem Produkt in aller Munde und es kommt zu Netzwerkeffekten.
    Beliebt ist der Verkauf von Manuals zu freien Produkten (Autoren von "Pegasus Mail") oder das Herausgeben richtiger Bücher zu Produkten (Larry Wall bei Perl). Ein Softwareproduzent, der Bücher oder Add-Ons zu seinem freien Produkt verkauft, hat den Vorteil, daß er sehr viel mehr Aufmerksamkeit genießt als potentielle Konkurrenten und daß ihm das beste Produkt zugetraut wird. Eine Einführung in Perl wird eher vom Autor der Sprache, Larry Wall, als von einem unbekannten Autor, gekauft. Der Produzent eines Geschenkes hat hier direkt etwas von der Verbreitung, weil jeder Beschenkte ein potentieller Kunde eines Zusatzproduktes ist.

  8. Bsp.: Ghostscript (Zukunft verschenken, Gegenwart verkaufen)

    Das bedeutet soviel wie, ich verkaufe heute meine Software unter einer Closed-Lizenz, aber mit der Garantie, dass der Quellcode nach Ablauf einer bestimmten Zeit (meist ein Jahr) oder wenn die Firma pleite geht, freigegeben wird.
    Das hat verschieden Auswirkungen. Zum Einen weiss der Verbraucher, dass er die Quellcodes bekommt und dass sich die Open Source Gemeine um die Software weiter kümmert. Es wird also weiter entwickelt und damit wird es auch auf meine Bedürfnisse zugeschrieben. Für den Hersteller hat es den Vorteil, dass nach Ablauf der Frist die Wartungslast auf die Open Source-Gemeinde übergeht. Ein Nachteil ist, dass in der wichtigsten Zeit die 'Peer Review' ausbleibt.

    [34]

Wann Open Source, wann closed Source?
Es stellt sich die Frage: Wann sollte man den Quelltext frei gegeben?

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:

  1. Zuverlässigkeit, Stabilität und Skalierbarkeit sind von ausschlaggebender Bedeutung.

  2. Die Korrektheit des Designs und der Implementation kann nicht leicht auf anderem Weg als dem der unabhängigen Peer Review überprüft werden.

  3. Die Software ist für den Benutzer geschäftskritisch.

  4. Die Software etabliert oder ermöglicht eine gemeinsame Computer- oder Kommunikationsinfrastruktur.

  5. Die Schlüsselmethoden (oder deren funktionale Äquivalente) sind Teil wohlbekannter Ingenieurskunst.
[35]

Wir können diese Logik durch die Beobachtung zusammenfassen, daß Open Source dort höhere Erträge als Closed Source verspricht, wo (d) die Software eine gemeinsame Datenverarbeitungs- oder Kommunikationsinfrastruktur hervorbringt oder fördert, zum Beispiel in Netzwerken mit den dazugehörigen Servern.

Fallbeispiel: Doom
Als Doom Ende 1993 erstmals herauskam, machten es seine Echtzeitanimation und subjektive Kamera einzigartig (was die Antithese zu Kriterium (e) darstellt). Nicht nur waren die Techniken und die visuelle Wirkung atemberaubend, auch konnte niemand herausfinden, wie diese Resultate mit den verhältnismäßig schwachen Mikroprozessoren der damaligen Zeit erzielt werden konnten. Diese eingekapselten Bits hatten für den Verkauf einen bedeutenden Wert. Daher lohnte sich die Veröffentlichung des Quellcodes so gut wie gar nicht. Das Spiel war für nur einen Spieler, ein Ausfall der Software war tolerierbar (a), das korrekte Funktionieren war nicht weiter schwierig zu überprüfen (b), von geschäftskritisch konnte keine Rede sein (c), und es gab keine Aussicht auf Netzwerkeffekte (d). Es war ökonomisch sinnvoll, den Quellcode für Doom unter Verschluß zu halten.

Der Markt um Doom stand aber nicht still. Zukünftige Mitbewerber erfanden funktionale Äquivalente für die Techniken zur Animation, und andere "first-person shooter"-Spiele wie Duke Nukem kamen heraus. Mit zunehmenden Marktanteil für Konkurrenten für Doom schrumpfte der Wert für die Vergebührung eingekapselter Bits.

Auf der anderen Seite brachte der Aufwand, diesen Marktanteil zu vergrößern, neue technische Herausforderungen mit sich - höhere Ausfallsicherheit, mehr Leistungsmerkmale, ein größerer Benutzerstamm und mehrere Plattformen. Mit dem Auftauchen von "Todesmatch"-Spielmodi und Doom-Onlinevermittlungen für Spielpartner begann der Markt signifikante Netzwerkeffekte zu zeigen. All das verzehrte Programmiererzeit, die die Firma lieber in das nächste Spiel invstiert hätte.

Alle diese Trends erhöhten das Ausmaß in dem sich die Veröffentlichung des Quellcodes lohnte. Ab einem gewissen Punkt schnitten sich die Kurven des Nutzens und es machte für Den Hersteller ökonomischen Sinn den Quellcode für Doom freizugeben und ihr Geld auf Sekundärmärkten wie Szenario-Anthologien zu verdienen. Irgendwann nach dem Erreichen dieses Punktes wurde dieses neue Business Model Wirklichkeit.
Dooms kompletter Quellcode wurde Ende 1997 veröffentlicht. [36]


4 Zukunft

Die Branche wird aufmerksam und investiert
1998 war das Jahr, in dem die Computer-Branche Linux als Alternative zu akzeptieren begann. Als Konsequenz kündigten viele Softwaregrössen an, ihre Serverprodukte mit einer Linux-Version anzubieten (z.B. IBM, Oracle, Informix). Compaq und HP kündigten von ihrer Seite aus an, ihre Server-Hardware vorinstalliert mit Linux und auch Support anzubieten.

Oracle begründete die Portierung nach Linux mit der zunehmenden Marktbedeutung von Linux und der Forderung von Kunden nach Unterstützung des Freeware-Unix.

Grosse Firmen portieren auf Linux, "weil ein nicht zu unterschätzender Markt sich dorthin bewegt." [27]
Sun legte den Programmcode von StarOffice offen und will somit das kreative Potential der freien Softwareprogrammierer nutzen.
"Am 13. Oktober soll StarOffice unter OpenOffice.org als Open Source unter der GPL verfügbar sein. Zudem will Sun den Code aber auch unter die Sun Industry Standards Source License (SISSL) stellen. OpenOffice.org wird von Collab.Net betrieben. Die StarOffice-Suite ist derzeit für Solaris, Windows und Linux verfügbar, mit der Version 6 will man aber auch wieder den Mac unterstützen. Die Version 6 wird eine neue Architektur einführen, mit der sich StarOffice in Komponenten zerlegen lässt und sich die Applikationen einzeln verwenden lassen." [33]
Ausserdem gaben sie eine neue Version des Java Development Kit zum Download frei.
"Folgendes ist ab jetzt allen Lizenznehmern erlaubt:
Der Source-Code darf jetzt modifiziert werden. Entwickler dürfen nun kompatiblen Code ändern und ohne Mitwirkung von Sun verwenden. Außerdem müssen keine Zahlungen an Sun geleistet werden.
Die Klassenbibliotheken dürfen nun auch zusammen mit virtuellen Maschinen anderer Softwarehersteller vertrieben werden.
Entwickler dürfen den Source-Code erweitern, eine Rückgabepflicht an Sun Microsystems besteht nicht." [32]
Marketing-Hype?
Böse Zungen behaupten alle Erklärungen von Firmen zu Open Source Software sei 'Marketing-Hype'.
Dazu zählen "Meldungen, auch die Firma xy werde dieses oder jenes Produkt auf Linux portieren oder verschiedene 'Freeware'-Umgebungen künftig auch offiziell im Rahmen von Supportverträgen unterstützen." [9]

Die Botschaft an die Kunden dieser meist grossen Firmen, wie z.B. IBM, Oracle, HP etc. sollen suggerieren, dass

"Open Source [..] nicht mehr ein clever gewählter Ausdruck fü Hackerware [ist], sondern etwas Gutes, Nützliches, Ernstzunehmendes." [9]
Kundenbedürfnisse
Es wird auch behauptet, dass die Arroganz von Microsoft für viele genug des guten ist und sowohl für Hersteller als auch Kunden ein zusätzlicher Grund ist sich endlich von Microsoft losssagen zu können.

So hat z.B. HP hat in ihrem Unternehmensbereich für Internet-Lösungen und Applikationssysteme eine Open Source Solutions Operation (OSSO) gegründet. HP begründet dass damit, dass sie entsprechend den Bedürfnissen ihrer Kunden agieren. HP hat erkannt, dass für einige ihrer guten LKunden, wie ISPs u.a., Linux das Betriebssystem ihrer Wahl ist.

"Diese Zielgruppen verbindet eine teilweise langjährige Partnerschaft mit HP über die eingesetzte Hardware- und Software-Produkte bzw. vereinbarte Support- und Serviceleistungen." [2]

HP will mit der Unterstützung von Linux erneut sein Engagement für offene Systerme und die Ausrichtung an Standards und De-facto-Standrads unterstreichen. HP unterstützt deswegen eine auf Software-Entwicklung und Consulting spezialisierte Vereinigung names Puffin Group, die die Plattform von HPs Workstation und Server portieren wird, in dem sie freiwillige Programmierer koordiniert. HP ist ausserdem Mitglied der unabhängigen Non-Profit-Organisation Linux International.

Alle scheinen mitzumachen
Auch IBM und Compaq haben angekündigt ihre Hardware mit Linux auszustatten.

"Die kommerzielle Reichweite von Linux ist schwer einzuschätzen, aber man kann zweifellos feststellen, dass viele, die früher auf UNIX setzten, nun Linux einsetzen. Viele sind der Ansicht, dass Linux die einzige Alternative zu Microsofts NT darstellt. In der Tat fangen immer mehr Hersteller von Multi-User Software an, ihre Software auf Linux zu üportieren[...]." [7]
Im Mai 1999 hat Sun seinen Quellcode für die Java-Plattform unter einer Open Source-Lizenz freigeben. So kann jeder den Quellcode modifizieren und weiterentwickeln.
"Jedoch muss dabei die Kompatibilität zum vorgegebenen Standard gewahrt bleiben, und der Vertrieb von modifiziertem Code erfordert eine (gebührenpflichtige) Genehmigung von Sun." [12]
Bob Young, Chef von Red-Hat, spekuliert in [13] darauf, dass IBM evtl. auch eine Linux-Distribution herausbringen könnte.

Das IBM kräftig in Linux investiert liegt an der Tatsache, dass sie erkannt zu haben scheint, dass der Markt um Linux

"abheben und sich zu einer ernsthaften Alternative für Kunden entwickeln wird." [14]
Laut Jonathan L. Prial von IBM ist Die Firma entschlossen in diesen Markt früh einzusteigen und mit Linux zu wachsen, so wie es selbst wächst. Auch wenn sie nicht wissen wie sich der Markt entwicklen wird und sie darüber auch keine Vorhersagungen machen können, sind sie entschlossen, das Wachstum zu unterstützen.
In dem Markt sind sie aber nur 'normaler' Teilnehmer,
"wir teilen das Wasser und die Müsliriegel mit den anderen." [14]
IBM tut dieses Engagement zwar nicht aus Uneigennützigkeit, aber sie sind davon überzeugt, dass es ihnen indirekt nützt. Dadurch, dass sie der Open Source Community helfen, da diese sie auch bei ihrem Kerngeschäft unterstützt.
Jonathan L. Prial: "Open Source bedeutet für uns durchaus, dass wir Investitionen tätigen, für die wir keine direkten Gegenleistungen erreichen. Wenn wir also etwas beisteuern, dann fällen wir keine kurzsichtigen Entscheidungen. Wir gehen durch ein Open Source Executive Commitee, wir evaluieren die Auswirkungen auf die gesamte IBM, wir stellen die Entwicklungskapazitäten bereit und dann legen wir mit dem Projekt los. Wir schauen uns das nicht klein-klein an: Wir machen uns nicht nur die Füsse nass, sondern springen mit beiden Beinen hinein." [14]
"Der Kunde entscheidet sich für eine bestimmte Plattform und ein bestimmtes Betriebssystem auf der Basis von Kriterien, die für ihn wichtig sind. Wir wollen sichergehen, dass der Kunde Hardware und Betriebssystem beliebig auswählen kann, und dass unsere Middleware als übergreifende Komponente die einzelnen Bausteine miteinander verbindet." [14]
Die Kriterien für die Wahl können vielfältig sein. Z.B. der Ausbildungsstand der Mitarbeiter, Kosten oder die Verfügbarkeit bestimmter Anwendungen.

Da die Software-Entwicklung viel Geld in Anspruch nimmt, nicht jeder Open Source Entwickler alles in seiner Freizeit macht, sondern auch Firmen Projekte in Auftrag geben und die Programmierer entsprechend bezahlt werden müssen, braucht man Geldgeber. Aber wo findet man diese? Für das GnuPG hat sich das BMWi gefunden.

"Es wird einige Zeit vergehen, bis das Projekt genügend Gewinn erwirtschaftet, um sich selbst zu tragen. In dieser Zeit müssen in den Bereichen Entwicklung und Produktisierung kostspielige Investitionen geleistet werden. Um diese Anfangsinvestitionen leisten zu können, benötigen und erhalten wir Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Mit GnuPG wurde ein Stein für die Förderung von Freier Software (Open-Source) ins Rollen gebracht: Das BMWi hat inzwischen erklärt, daß noch weitere geförderte Projekte folgen sollen."
[31]
Für das Wirtschaftministerium (BMWi) ist IT-Sicherheit grundlegend für die Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft." [26]
Profite
Aufgrund folgender Punkte können Firmen von OS-Software profitieren:
Ausblick
Die Bundesregierung (Rundschreiben des BMI) hat im Frühjahr 2000 allen Bundesbehörden den Einsatz freier Software empfohlen.
die Gründe sind: Ein prominentes Beispiel, das diesen Kriterien genügt ist das 'LAMP-System' (Linux, Apache, MySQL, PHP3) für dynamische Webseiten. Im Gegensatz dazu gibt es das WAMP-System.
Zukunftschancen

5 Literatur

[1]
Organisation eines OpenSource-Projekts
Kalle Dalheimer 12.07.1999
Verlag Heinz Heise, Hannover
c't ROM 1999

[2]
Zukunft inbegriffen
HP unterstützt Open-Source-Software und Linux
HP Homepage (nicht wiedergefunden)

[3]
Open Source Software und deutsches Urheberrecht
Axel Metzger und Till Jäger
http://www.ifross.de/ifross_html/art1.html

[4]
Open source Programme für die Regierung
Florian Rötzer 07.12.1998
Verlag Heinz Heise, Hannover
http://www.ix.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1705/1.html

[5]
Robert Gehring:
Freeware, Shareware und Public Domain.
(Studienarbeit), Berlin 1996
/oldstatic/sa/043/index_html

[6]
http://www.opensource.org/

[7]
Open source - kurz & gut
1. Aufkage, Mai 1999
O'Reilly Verlag
http://www.oreilly.de/german/freebooks/os_tb/toc.html

[8]
Eric S. Raymond
Die Kathedrale und der Basar
10. Der soziale Kontext der Open Source-Software
http://www.lgut.uni-bremen.de:8000/anh/ctxt/www.phone-soft.com/RaymondC athedralBazaar/catb_g.10.html

[9]
Ludger Schmitz
Open-Source-Software
COMPUTERWOCHE Nr. 6 vom 12.2.1999
http://www.computerwoche.de/aktionen/lycos/webguides/index24.html

[10]
Heinrich T. Feuerbach, Peter Schmitz
Freiheitskämpfer
Entwickler freier Software gegen Patentierung
c't 16/1999
Verlag Heinz Heise, Hannover

[11]
Linux Weekly News
1998 in review
http://lwn.net/1999/features/1998timeline/

[12]
Java-Quellen freigegeben
c't 5/1999, S.64
Verlag Heinz Heise, Hannover

[13]
Rainhald Menge-
Mit rotem Hut
Interview mit Red-Hat-Chef Bob Young
c't 22/1999
Verlag Heinz Heise, Hannover

[14]
Volker Weber -
'Wir teilen uns das Wasser und die Müsliriegel'
Ein Interview mit Joathan L. Prial, IBM Director Integrated Solutions and Linux Marketing, über Unix, Windows 2000 und die Position von Linux
c't 17/1999
Verlag Heinz Heise, Hannover

[15]
Susanne Schmidt, Christian Hüttermann -
Zauberer der Informationsgesellschaft
Erste Open-Source-Konferenz 'Wizards os OS' in Berlin
c't 16/1999
Verlag Heinz Heise, Hannover

[16]
Maximilian Vogel -
Geschenkökonomie im Internet
Magisterarbeit
http://www.wosamma.com/mag/

[17]
Peter Siering -
Halloween
Linux macht Windows NT zu schaffen
c't 6/1999
Verlag Heinz Heise, Hannover

[18]
SuSE finanziert Linux-Entwickler
c't 15/1999, S.32
Verlag Heinz Heise, Hannover

[19]
Kommerzielle Sendmail-Variante
c't 1/1999, S. 32
Verlag Heinz Heise, Hannover

[20]
Bundesverwaltung macht sich für Open Source Stark
Geringes Interesse an Microsoft-Produkten
COMPUTERWOCHE Nr. 14 vom 07.04.2000, S. 1-3

[21]
Tim O'Reilly -
Schlüsse aus der Open-Source-Software-entwicklung
13.07.1999
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/wos/6433/1.html

[22]
Open Source - Alle Quellen dem Volke
http://www.luka.de/connect/opensource.html

[23]
Strategieänderung: Star Office wird "Open Source"
Lizenz-Politik
SPIEGEL ONLINE - 19.07.2000
http://www.spiegel.de/netzwelt/ebusiness/0,1518,86022,00.html

[24]
Armin Medosch -
Open Source: Wenige Wizards, viele Wasserträger
Untersuchung über "Freie Software" scannte 25 millionen Zeilen Code von über 12.000 Autoren
08.05.200
http://www.ct.heise.de/tp/deutsch/special/wos/3520/1.html

[25]
Open Source
http://www.suse.de/~garloff/Writings/anders/node9.html

[26]
Dr. Oliver Diedrick
Alles offen?
Diskussion um Open-source-Software in der Bundesverwaltung
c't 08/2000, S. 30
Verlag Heinz Heise, Hannover

[27]
Jürgen Schmidt -
'Ein Durchbruch für Linux...'
Linus Torcalds über aktuelle Linux-Themen
c't 16/1998, S. 32/33
Verlag Heinz Heise, Hannover

[28]
Michael Kunze -
Eisberg voraus
Freie Software zwischen Kommerz und Chaos
c't 12/1998, S. 88-93
Verlag Heinz Heise, Hannover

[29]
Albert Endres -
"Open Source" und die Zukunft der Software
Informatik Spektrum Nr. 23, Oktober 2000

[30]
Zur Geschichte der Open-Source-Software
COMPUTERWOCHE Nr. 34 vom 21.08.1998, S. 44/45

[31]
http://www.gnupg.de/presse.html

[32]
Java 2 wird auch Open Source
9.12.1998
http://www.golem.de/9812/2252.html

[33]
Suns StarOffice wird am 13. Oktober Open Source
Quellcode wird unter GNU General Public License freigegeben
19.07.2000
http://www.golem.de/0007/8820.html

[34]
Eric S. Raymond -
Der verzauberte Kessel
9. Modelle für indirekten Warenwert
Juni 1999
http://www.oreilly.de/opensource/magic-cauldron/cauldron.g.indirect.html

[35]
Eric S. Raymond -
Der verzauberte Kessel
10. Wann öffentlich, wann nicht-öffentlich?
Juni 1999
http://www.oreilly.de/opensource/magic-cauldron/cauldron.g.openclose.html

[36]
Eric S. Raymond -
Der verzauberte Kessel
10.3 Doom: Eine Fallstudie
Juni 1999
http://www.oreilly.de/opensource/magic-cauldron/cauldron.g.openclo se.html#segment.10.3

[37]
Matthias Ettrich -
Wer kodiert?
Motivation zum Schreiben Freier Software
iX 1/2000, S.112
Verlag Heinz Heise, Hannover
http://www.heise.de/ix/artikel/2000/01/112/01.shtml