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Kann eCommerce zur Schwächung von Nationalstaaten beitragen? Tauschringe - existierende regionale Zweitökonomien Seit Jahrzehnten gibt es Kleinökonomien, die nicht an eine "echte", nationalstaatliche Währung gekoppelt sind. Sind sie ein Vorbild für den elektronischen Handel? Wird auch eCommerce zu Umsätzen führen, die dem Tausch näher sind als dem Kauf?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat der Ökonom Silvio Gesell (1862 bis 1930) die Grundlagen geschaffen, auf denen echtgeldloser Tausch funktioniert. In sogenannten "Tauschringen" schließt sich ein Kollektiv von Bürgern zusammen, die untereinander in einer eigenen Währung Tauschgeschäfte abschließen. Diese eigene Währung hat in der Praxis oft pfiffige Namen wie etwa im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg -dort konnte man in zahlreichen Geschäften mit "Knochen" einkaufen. Von Silvio Gesell haben die Tauschringe den Grundgedanken übernommen, daß ihre Währung nicht verzinst wird, sondern stattdessen "Schwundgeld" ist. Schwundgeld hat die gleiche Eigenschafte wie alle Waren - es verrottet. Diese "negativen Zinsen" sollen zu Konsumförderung führen und Chancen für eine umwelt- und menschengerechtere Wirtschaftsordnung bieten. Neben der Ökonomie von Silvio Gesell berufen sich die Tauschringe auch auf die Theorie des Kommunitarismus ("vom Wohlfahrtsstaat zur Wohlfahrtsgesellschaft"). Die eigene Verrechnungseinheit ermöglicht indirekten Tausch von Dienstleistungen. Ein Rentnerin kann beispielsweise die Dienstleistung "Marmelade einkochen" gegen die Dienstleistung "Fahrrad reparieren" eines Studenten tauschen, ohne daß die beiden sich begegnen. Stattdessen bekommen beide für ihre Dienstleistungen einen "Knochen", den sie wieder gegen andere Dienstleistungen tauschen können. Die vier Leitmotive von Tauschringen
Was Tauschringe nicht wollen
Beispiele
kommerzielle Barter-Ringe Barter-Ringe" sind kommerzielle Tauschringe. Sie führen in Deutschland ein Schattendasein, sind aber in anderen Ländern erstaunlich aktiv.
Wird der Nationalstaat durch eCommerce ausgehöhlt? Elektronisches Geld kann zum florierenden Handel von Dienstleistungen im Internet führen. Die dabei entstehenden Umsätze sind dann nur schwer besteuerbar - eine "Steueroase Internet" könnte manches Unternehmen zum Prägen eigener Währungen verlocken. Wer beispielsweise auf einen Werbebanner klickt, bekommt als Belohnung zehn "AltaVista-Dollar", die man vielleicht bei Microsoft gegeneine HTML-Code-Pflege tauschen kann. Diesem außerstaatlichen Handel fehlt die soziale und ökologische Verantwortung, die auf nationalstaatlichen Währungen ruht. Wieder einmal führt die Globalisierung nur zur Privatisierung der Gewinne, während die Kosten von den deregulierten Staaten kaum noch getragen werden können. Während Tauschringe regional verankert sind, kann eine Internet-Währung nicht an eine Region gebunden sein, aber. Ob sich dadurch die gleichen belebenden Konjunkturimpulse erreichen lassen, wie sie von den zahlreichen regionalen Zweitökoniem bekannt sind, ist fraglich. Literatur zu Tauschringen
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