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Lernen und Lehren in der Informationsgesellschaft
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Neue Konzepte für Internetdienste im interaktiven Schulunterricht
Forschungskolloquium Technik und Gesellschaft WS 98/99 - TUB, ZTG - 25.01.99
Barbara Kochan (Didaktik), Bernd Lutterbeck und Marco Rademacher (Informatik)
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Die Nutzung des neuen Mediums Internet an Schule und Hochschule als neues Thema der Informatikforschung (B. Lutterbeck)
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1. Vom Zufall zur Strukturbildung
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Ich muß gestehen, daß mich didaktische Probleme bis vor wenigen
Jahren eigentlich überhaupt nicht interessiert haben. Die Lehre in der
Hochschule habe ich mit meinen Mitarbeitern noch immer ganz gut bewältigt.
Schule habe ich nur über die Erzählungen meines Sohnes wahrgenommen,
der ein guter Schüler ist und deshalb keine besonders intensive Betreuung
benötigt.
Vor etwa vier Jahren habe ich begonnen, meine Auffassung zu ändern.
Hierfür waren Zufälle nicht minder wichtig wie die dramatisch
veränderten Bedingungen meiner Arbeit:
- Seit einigen Jahren muß mich mit einem Drittel meiner früheren Mitarbeiter
auskommen. Wir haben deshalb nach einem Konzept für unsere Lehre gesucht, mit
dem sich der Aufwand ohne Qualitätsverlust minimieren läßt. Wir haben damals auf
das Internet als das für unsere Zwecke taugliche Instrument gesetzt.
- Vor drei Jahren mußte ich eine Vorlesung über europäische Integration für
alle Studierenden meiner Hochschule völlig neu aufbauen. Entsprechend unserem
neuen Lehrkonzept habe ich die Vorlesung natürlich im Internet publiziert.
Manchmal war der Text vor dem Termin der Vorlesung schon online verfügbar.
Einige meiner Kollegen waren darüber sehr erstaunt: Haben Sie keine Angst, daß
die Studenten wegbleiben?
Beide Gesichtspunkte treffen wahrscheinlich auf viele andere Angehörige der
Hochschulen so oder ähnlich auch zu. Sie müßten nicht notwendig
zu einem eigenen Forschungsschwerpunkt führen. Dies haben erst einige
Zufälle bewirkt:
- Mein Sohn kam in das Alter, in dem sich zumindest Jungen für
das Internet interessieren. Zu meiner Überraschung gab es in seiner Schule,
einem Berliner humanistischem Gymnasium, anscheinend keinerlei Kurse oder
Hinweise etwa im Mathematikunterricht auf das neue Medium Internet. Es gab zwar
eine Informatik AG, die jedoch von meinem Sohn und den meisten seiner
Mitschüler als langweilig abgelehnt wurde.
Dieser Zustand hat mich als Professor der Informatik so geärgert, daß
ich beschloß, mit dem Mathematiklehrer meines Sohnes Kontakt aufzunehmen.
Dieser Kontakt hatte praktische Konsequenzen, die man inzwischen im Netz
besichtigen kann - dazu später unter 2.
- Der entscheidende Impuls aber kam durch Marco Rademacher. Ich kannte
ihn seit vielen Semestern als klugen, besonders engagierten und detailgenauen
Studenten, der bereits seine Studienarbeit bei mir über ein Problem der
Verwaltungsinformatik geschrieben hatte. Marco Rademacher schlug mir eines Tages
vor, eine Diplomarbeit über das Thema Informatik und Schule zu schreiben.
Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich lehne seinen Wunsch ab, weil
das Thema zu weit entfernt ist von meinen eigenen Schwerpunkten. Oder ich nehme
die Arbeit an. Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als mich intensiver
mit der didaktischen Seite meiner längst laufenden
Internet-Aktivitäten zu beschäftigen. Ich entschloß mich
für die zweite Alternative.
Meinen Mitarbeitern und mir war sehr schnell klar, daß mit dem Projekt von
Marco Rademacher die Forschungsarbeit meiner Einheit ein anderes Gesicht
bekommen würde. Deshalb war es zwingend, die vielen Arbeiten um das
Internet herum, die unkoordiniert vor sich hin wucherten, zu ordnen. Entstanden
ist damals eine Struktur, die in einer aktuellen Zeichnung vom Januar 1999
folgende Gestalt hat.
| Folie: Projekte, Forschungsarbeiten und Lehre der Einheit Informatik und Gesellschaft |
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Diese Entscheidung ist uns nicht sehr schwer gefallen, weil wir durch unsere
Arbeit mit dem Internet inzwischen wußten, daß unsere didaktischen
Kenntnisse nicht ausreichten für eine zufriedenstellende Präsentation
unserer Texte im Netz.
In diese Zeit des Nachdenkens, Umsteuerns und der Unsicherheit kam uns
unerwartet ein weiterer glücklicher Zufall zu Hilfe. Die Kollegin Barbara
Kochan, die wir bis dahin nicht kannten, fragte an, ob wir nicht Interesse an
einer Zusammenarbeit hätten. Sie hatte die Fähigkeiten und Kenntnisse,
die wir brauchten, aber nicht hatten –und umgekehrt.
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2. Lernen und Lehren in der Informationsgesellschaft: Erste Schritte in ein neues Forschungsthema
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Wir haben uns bemüht, das neue Forschungsthema aus unserer Arbeit heraus zu
entwickeln und mit zwei Projekten begonnen:
- Internetzugang für das Gymnasium Steglitz/Berlin
(Diplomarbeit)
Es sollte mit minimalen Aufwand an Finanzen ein Konzept entwickelt werden,
daß für die Schule und die Schüler gleichermaßen attraktiv
ist. Insbesondere sollten bestehende Austauschbeziehungen mit Schulen in Europa
und Übersee modelliert werden.
- Europäische Schülerzeitung, im Zusammenarbeit mit dem Jean
Monnet-Haus/Berlin (Diplomarbeit von Marco Rademacher)
Marco Rademacher wollte in dieser Arbeit versuchen, den inhaltlichen Schwerpunkt
unserer bisherigen Arbeit, die europäische Integration, mit einem Thema aus
dem Themenbereich Schule und Internet zu verbinden. Wir konnten das Jean Monnet
Haus in Berlin, das den Gedanken der Europäischen Integration in Berlin und
den neuen Bundesländern fördern soll, für dieses Projekt
interessieren.
Beide Projekte sind inzwischen erfolgreich abgeschlossen worden und können
natürlich im Netz besichtigt werden:
- Das Gymnasium Steglitz ist über den Server
http://ig.cs.tu-berlin.de/~gymstegl/ erreichbar. Die Schule hat sich inzwischen
entschlossen, zwei verschiedene Seiten anzubieten: Eine gewissermaßen
offizielle Seite mit eingeschränkten Zugangsbefugnissen und eine weitere,
die offen ist für jede Form von Interaktion, die die Schüler
wünschen.
- Die europäische Schülerzeitung, die Marco Rademacher
aufgebaut hat, ist über den Server des Jean Monnet Hauses erreichbar:
http://www.jeanmonnet.de.
Die Administration beider Server erfolgt mit Technologien meiner Einheit an der
Hochschule.
Parallel dazu haben wir unsere eigene Webseite völlig neu aufgebaut. Mit
dieser und der Erfahrung aus den beiden abgelaufenen Projekten können wir
jetzt eine entscheidende Einsicht formulieren: Der Einsatz des Internet in der
Lehre an der Hochschule zwingt zu völlig neuen Lehrformen.
Mit unserem Vorhaben "Neue Konzepte für Internetdienste im interaktiven
Schulunterricht" wollen wir erforschen, welche Konsequenzen diese Einsicht
für den Einsatz des Internet in der Schule hat. Wir freuen uns sehr,
daß das Zentrum für Technik und Gesellschaft an der TU-Berlin an
dieser Fragestellung Interesse gezeigt hat.
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Schule als Ort des Lernens und Lehrens in der Informationsgesellschaft (B. Kochan)
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1. Revolution des Lernens durch Internetzugang in der Schule?
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Nach jahrelangem Widerstand (in Deutschland) gegen Computernutzung im
Schulunterricht (jenseits von ITG) hat sich die Situation plötzlich - in
der zweiten Hälfte der 90er Jahre - verändert:
- Wirtschaft und Öffentlichkeit fordern nachdrücklich: Alle
Schulen sollen so schnell wie möglich ans Netz!
- Finanzaufwendige Ausstattungsinitiativen wurden ergriffen (SaN,
CidS!, Spendenaktionen).
- Computerschulung von Lehrern hat begonnen.
- Informatiker sind in den Schulen als technische Helfer gefragt.
- Unterrichtsrelevante Internetdienste sollen ausgebaut werden.
Es scheint: Wenn erst alle Schulen ausgestattet und alle Lehrer im Umgang mit
dem Computer fortgebildet sind, wird in der Schule "neues Lernen"
stattfinden.
Dies ist ein schwerwiegender Irrtum. Warum?
Die in der Schule tradierten Unterrichtspraktiken passen in wesentlichen Punkten
weder zu den Möglichkeiten, die das Internet dem Lernen bietet, noch zur
Eigenart des Lernens überhaupt.
Umgekehrt verfehlen Internetdienste für den Unterrichtsgebrauch ihre
erhoffte Wirkung, solange sie nicht auf Erkenntnissen darüber basieren, wie
- unter Bedingungen von Schulunterricht - aus Daten Wissen wird und welche
Kommunikationsstrukturen Lernen ermöglichen.
Die plausible Vision, das Internet im Unterricht zu nutzen, erfordert, daß
Didaktik und Informatik zusammenarbeiten und gemeinsam Lern- und Lehrforschung
betreiben.
Dabei ist das Lernen der Schlüsselbegriff, nicht das Lehren.
Die herkömmliche Vorstellung, daß das Lehren das Lernen
gewissermaßen erzeuge, ist unterrichtswissenschaftlich nicht mehr
vertretbar. Der Forschungsstand besagt, daß das Lernen nicht dem Lehren
(im Sinne des Belehrtwerdens) gehorcht. Lernen ist ein eigendynamischer
Prozeß, in dem Wissen nicht schlicht aufgenommen, sondern subjektiv und
aktiv konstruiert wird.
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2. Können schulpraktische Pionierprojekte flächendeckende Innovation nach sich ziehen?
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- Pioniere unterscheiden sich von den anderen Lehrern.
- Ohne theoretische Orientierung kann Qualität weder erkannt noch nachgemacht
werden. Es müssen Kriterien des Gelingens bestimmt und Bedingungen des Gelingens
ermittelt werden.
- Der auf eindrucksvolle Projekte fixierte Blick blendet die Fälle des
Scheiterns aus. Bei theoretischer Fundierung könnte aus Fällen des Scheiterns
und des Gelingens gleichermaßen gelernt werden.
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3. Didaktische Zielkonzepte müssen - interdisziplinär - erarbeitet werden
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Noch ist völlig ungeklärt, wozu, wo und wie der Computer
überhaupt und speziell das Internet in der Schule eingesetzt werden soll.
Unterschiedliche Schlagworte signalisieren unterschiedliche Aspekte:
informationstechnische Grundbildung, Medienpädagogik, neue
Schlüsselqualifikationen, Optimierung des Erlernens des
(herkömmlichen) Unterrichtsstoffes durch Differenzierung, ja
Individualisierung, EDV-gestütztes Schreiben und Lesen als erweiterte
Kulturtechniken, Computer bzw. Internet als Werkzeug oder als Medium des
Lernens, neues Lernen mit neuen Medien usw.
Entsprechend vielerlei ist möglich mit dem Internet in der Schule.
Entsprechend vielerlei wird von einigen auch schon praktiziert in der Schule.
Was aber ist notwendig?
Zweifellos zeichnet sich ab, daß der Umgang mit Computer und Internet in
der Informationsgesellschaft eine Kulturtechnik ist wie das Schreiben und das
Lesen. Trotz aller Multimedialität werden Schreiben und Lesen aber nicht
verdrängt, sondern verschmelzen mit der "computer literacy". Wir
können also einiges aus der Didaktik des Schreib- und Leseunterrichts
lernen.
Dazu gehört: Kulturtechniken erwerben Schüler am besten innerhalb
eines als Nutzungskultur gestalteten Unterrichts. (In einem nur belehrenden und
einübenden Unterricht erlernen die Schüler zwar die Techniken des
Schreibens und Lesens - als "träges Wissen", aber sie integrieren
diese Tätigkeiten nicht ohne weiteres in ihr Leben; sie machen von ihnen
nur Gebrauch, wenn es "verlangt" wird.) Daraus folgt:
An die Stelle von frontaler Belehrung, Steuerung und Korrektur treten das
Arrangieren, Koordinieren, Beobachten und fördernde Begleiten individueller
Lernprozesse im sozialen Kontext gemeinsamen Strebens und Agierens der
Lerngruppe, normalerweise der Schulklasse.
Daß diese neue Lehrerrolle in einem - gegenüber
Schülerentscheidungen offenen - Unterricht geradezu pralles Lernen und
unerwartete Leistungen ermöglicht, stellen immer mehr Lehrer unter Beweis,
insbesondere in der Grundschule - schon ohne Computer, aber erst recht, wenn
ihren Schülern das Internet zur Verfügung steht.
eMail aus der Lietzau-Klasse (1. Schuljahr) als Folie?
Die Internetnutzung soll im Unterricht aber nicht nur als neue Kulturtechnik
praktiziert werden. Sie soll zugleich dem besseren Lernen in allen Fächern
dienen.
Wissen wird subjektiv und sozial konstruiert. Lernen ist ein Konstruktions- und
Kommunikationsprozeß. Lernergebnisse sind vorläufig und bedürfen
immer wieder der Revision, der Umstrukturierung durch neue Erfahrung und durch
Kommunikation mit anderen.
Dieser Erkenntnislage entsprechen die in der Schule vorherrschenden
Unterrichtspraktiken noch längst nicht - ob ohne oder mit
Internetnutzung. Lernförderlicher Internetnutzung in allen
Unterrichtsfächern auf allen Schulstufen muß erst der
didaktische Boden bereitet werden.
Dabei kann der Internetzugang beschleunigend wirken. Internetaktivitäten
der Schüler lassen sich nicht ebenso dirigieren wie das Durcharbeiten eines
Lehrbuchs oder das Ausfüllen sogenannter Arbeitsbogen.
In mancher Hinsicht erzwingt das Internet - als Medium und Werkzeug -
Öffnung des Unterrichts: Wenn Schüler im Internet recherchieren, kann
der Lehrer nicht mehr der exklusive Bereitsteller der Informationen sein. Er
kann nicht mehr bestimmen, welche Texte, welche Bilder die Schüler zu einem
Thema zur Kenntnis nehmen. Wenn die Schüler im Internet kommunizieren (per
eMail) und publizieren (auf der Homepage der Schule), befindet nicht mehr
exklusiv der Lehrer über die Lernergebnisse der Schüler.
Schule soll - über die Vermittlung des Lehrplanwissens hinaus - auch zum
selbstbestimmten, lebenslangen Lernen (ohne Lehrer) qualifizieren. Dies kann sie
nur leisten, wenn sie schon in der Schule selbstbestimmtes Lernen
zuläßt und ausbildet.
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4. Strategische Konzepte für geeignete Wege zur Umsetzung der Zielkonzepte müssen erarbeitet werden
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Bildungspolitisch und wissenschaftlich begründete Forderungen an die Lehrer
zu stellen genügt nicht. Es ist notwendig, mit den Lehrern - so wie
sie jetzt sind - zusammenzuarbeiten mit dem Ziel wissenschaftlich begleiteter
Überwindung von untauglichen Unterrichtstraditionen. Dabei müssen
beide Arten von Lehrern in den Blick genommen werden:
- Die Computerpioniere machen mit aufwendiger Technik oft
Eindrucksvolles. Was aber und vor allem wie wird bei diesem Machen
auch gelernt? Wie kann die Technik für besseres Lernen genutzt
werden? Und zwar im Regelunterricht für alle Schüler, nicht nur in AGs
für sehr, sehr wenige Schüler.
- Die der Technik gegenüber zögernden oder ablehnenden
Lehrer machen nicht schon deshalb schlechteren Unterricht.
Computernutzung ist kein didaktisches Qualitätskriterium. Lehrer, die jetzt
- ohne Computer - lernförderlichen Unterricht gestalten, werden den
Computer samt Internet einbeziehen wollen, sobald ihnen ersichtlich wird,
inwiefern dies zur Verbesserung des Lernens im Unterricht beizutragen
vermag.Lehrer, die jetzt - ohne Computer - lernhemmend unterrichten, sollte man
nicht zum Computereinsatz drängen, bevor sie nicht didaktisch fortgebildet
wurden.
Realisierung darf nicht erst bei den in der Schule praktizierenden Lehrern
ansetzen. Wenn die Probleme nicht perpetuiert werden sollen, müssen ab
sofort - flächendeckend - die Lehramtsstudierenden aller Schulstufen und
-fächer auf die didaktischen Zielkonzepte von schulischem Lernen und Lehren
in der Informationsgesellschaft hin qualifiziert werden.
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Unser Forschungsvorhaben (Problemlösungsversuch) (M. Rademacher)
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1. Modell des Problembereichs: der Netzstecker
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Der Netzstecker symbolisiert in unserem Fall den Schnittbereich von Schule und
Internet. Mit dem Anspruch, zur Internetnutzung im regulären Unterricht
beizutragen, liegt der Problembereich auf der Seite der Schule in der Art und
Weise, wie Unterricht mit dem Internet stattfinden muß. Auf der Seite des
Internet bleibt dem normalen Nutzer das Grundgerüst des Internet verborgen,
da er Internetdienste verwendet. Im Rahmen der Forschung sollen die
Berührungspunkte Unterrichtsform' und
'Internetdienste' näher untersucht werden.
| Folie: Equalizer-Modell |
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Beide Untersuchungsfelder sind jedoch abhängig von anderen
Größen, die im Rahmen der ersten Projektphase näher bestimmt
werden. Diese feinen Abhängigkeiten sind deshalb von Bedeutung, um mit
Hilfe von 'Feintuning' am Equalizer nicht komplette Basisdienste oder
Unterrichtsmethoden neu entwickeln zu müssen, sondern auf bekanntes
zurückgreifen zu können. Von besonderer Bedeutung scheinen die
folgenden Einflußfaktoren zu sein:
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Internetdienst |
Unterrichtsform |
- Art des Inhalts
- Design und Struktur
- Internettechnologien
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- Didaktik
- Schulorganisation
- Schulrecht
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2. Das Programm: Projektphasen
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Modellpräzisierung und Bestandsaufnahme
Die verschiedenen Rubriken des Equalizermodells und ihre Beziehungen zueinander
werden spezifiziert.
Die von uns vermuteten Dissonanzen werden inhaltlich präzisiert und
empirisch überprüft. Dazu führen wir überregional (im
gesamten Bundesgebiet) schriftliche Befragungen (von Lehrern und Schülern)
durch. Vor Ort -- in Berlin -- interviewen wir Lehrer und Schüler und
beobachten an ausgewählten Schulen den Unterricht -- und zwar sowohl mit
als auch ohne Internetnutzung. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf
Harmonisierungsnotwendigkeiten ausgewertet.
Dissonanzen zwischen Internetdiensten und Unterrichtstraditionen harmonisieren
In der zweiten Phase werden wir den didaktischen Ort von Internetdiensten im
Regelunterricht konzeptionell bestimmen und auf dieser Grundlage ein
interdisziplinäres Basiskonzept zur Überwindung der ermittelten
Schnittstellenprobleme erarbeiten.
Erprobung, Überarbeitung und Produktfertigstellung
In der dritten Phase wird dieses Konzept unter schwierigen Praxisbedingungen
erprobt und entsprechend überarbeitet.
Aus den Ergebnissen werden die didaktischen Notwendigkeiten und die Forderungen
an unterrichtsgeeignete Internetdienste abgeleitet. Auf der Seite des Internet
mündet dies in einen Forderungskatalog, der sich an Anbieter von
Internetdiensten richtet. Auf schulischer Seite werden Handreichungen für
Grundschullehrer und für Sekundarstufenlehrer erarbeitet.
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3. Projektflankierende Aktivitäten und Kooperation
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Internet und Unterricht werden im Forschungsprojekt nicht nur
Untersuchungsgegenstand sein. Sowohl Unterricht als auch das Internet sollen im
Projektverlauf zur Fortentwicklung des Projekts beitragen, indem sie für
Diskussion zum Thema genutzt werden. Die symbiotischen Verbindungen skizziert
die Folie.
| Folie: Projektflankierende Aktivitäten und Kooperationen |
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| Folie: Universitäre Lehrveranstaltungen zum Themengebiet |
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- Universitäre Lehrveranstaltungen: Wir führen
interdisziplinäre Lehrveranstaltungen für Informatik- und
Pädagogikstudierende durch, deren Erfolg sich an reger Teilnahme und
Mitarbeit der Studierenden ablesen läßt.
- Examens und Diplomarbeiten: Der Erfolg des Konzepts, über gute
Lehrveranstaltungen eine aktive Mitwirkung der Studierenden zu erreichen,
äußert sich z.B. darin, daß bereits zwei Studnenten an ihrer
Diplom- bzw. Examensarbeit im Thmengebiet arbeiten.
- Kooperation mit Partnern aus der Praxis (Schulen) dienen besonders
dazu, die praktischen Probleme vor Ort im Blick zu behalten und praktisch
nutzbare Ergebnisse formulieren zu können.
Die Arbeit im Vorfeld des Forschungsprojekts weist nicht nur auf den
Forschungsbedarf im Themengebiet, sondern motiviert auch die Notwendigkeit eines
breiten Fächerangebots an einer Technischen Universität, da erst
hierdurch diese sinnvolle Interdiziplinarität ermöglicht wird. Wir
danken diesbezüglich vor allem dem Zentrum Technik und Gesellschaft, das
uns in der Interdisziplinären Zusammenarbeit bestärkt hat.
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Schlußfolgerungen und Perspektiven (B. Kochan)
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- interdisziplinärer Forschungsbedarf
- Veränderungen im Studium (Lehrämter und Informatik):
Computer und Lernen" als Schnittstelle der Studiengänge
- Neue (Haupt)Studiengänge für neue (außerschulische)
Berufe im Bereich "Computer und Lernen"
- Die computergestützte Informationsgesellschaft findet (schon
heute) bereits im Kinder-zimmer statt. Es bietet über den
Internetanschluß Zugang in die reale und virtuelle globale Welt. Den Weg
der Kinder in die Gesellschaft haben bislang Erwachsene durch Erziehung und
Unterricht (in der Familie, in der Schule, in den Medien) gesteuert. Die Familie
und die staatlich gelenkte und kontrollierte Schule verlieren an Einfluß
auf den Weg der Kinder in die Informationsgesellschaft, wenn sie nicht mit
wissenschaftlichen Erkenntnissen versorgt werden. Den Anbietern von Medien und
Internetdiensten für Kinder wächst eine pädagogische und
didaktische Verantwortung zu, der sie nicht gerecht werden können, wenn sie
nicht –durch entsprechende neue Aus- und Fortbildungsangebote –
pädagogisch und didaktisch qualifiziert werden.
- Wenn die Schule, die bislang noch das Bildungsmonopol beansprucht
und dadurch eine herausgehobene Verantwortung übernimmt, nicht
didaktisch erneuert und mit der nötigen informationstechnischen
Ausstattung versorgt wird, und wenn Internetdienste für die Schule nicht
die neue Didaktik forcieren, wird die Revolution des Lernens nur
außerhalb der Schule stattfinden. Damit wäre die Teilhabe aller
an dieser Revolution nicht gewährleistet. Sie würde ein Privileg
derer, die sich sowohl die erforderliche technische Ausstattung leisten
können als auch –woher auch immer –wissen, worauf es beim
(selbstbestimmten und lebenslangen) Lernen ankommt.
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